Donnerstag, 9. April 2020

Vorsicht vor winzigen Blutsaugern - auch in Corona-Zeiten!

Zecken übertragen FSME und Borreliose - 43 Prozent haben Angst vor exotischen Arten

 

 

Die Natur ist in der Corona-Krise für viele ein idealer Zufluchtsort – man bewegt sich an der frischen Luft und kann anderen Menschen besser aus dem Weg gehen als in engen Straßen und Gassen. Doch auch in Wiesen und Wäldern ist Vorsicht geboten, denn mit steigenden Temperaturen beginnt auch die Hochsaison der Zecken. Stechen die winzigen Blutsauger zu, können sie gefährliche Krankheiten wie Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Lyme-Borreliose übertragen. Laut Robert Koch-Institut (RKI) sind deutschlandweit je nach Region bis zu 30 Prozent der heimischen Zecken wie der Gemeine Holzbock Träger sogenannter Borrelien. Das Risiko für eine FSME-Infektion besteht dagegen vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, Südhessen, im südöstlichen Thüringen und in Sachsen.

Wie eine Forsa-Umfrage der KKH Kaufmännische Krankenkasse zeigt, haben aber auch tropische Arten wie die Hyalomma-Zecke Angstpotenzial: Fast jeder zweite Deutsche (43 Prozent) fürchtet sich vor der Übertragung gefährlicher Krankheiten durch derartige Exoten. Experten schätzen das Risiko allerdings als gering ein, denn die Hyalomma-Zecke wurde hierzulande bisher nur vereinzelt nachgewiesen. Deutlich wahrscheinlicher ist es, durch heimische Arten an Lyme-Borreliose und FSME zu erkranken. Das Tückische: Gegen Borreliose gibt es keinen Impfstoff. Zur Vorbeugung helfen nur lange Kleidung und Zeckenschutzmittel. Wer dennoch von einer Zecke gestochen wird und einige Tage bis Wochen danach rund um die Einstichstelle eine ringförmige Rötung beobachtet, sich außerdem abgeschlagen fühlt, Fieber und Kopfschmerzen bekommt, sollte einen Arzt aufsuchen. Da eine Borreliose durch Bakterien übertragen wird, lässt sie sich vor allem im Frühstadium gut antibiotisch behandeln.

Gegen eine FSME, die durch einen Virus übertragen wird und zu einer Hirnhautentzündung führen kann, bietet eine gut verträgliche Impfung den einzigen Schutz. Die Impfquote bei KKH-Versicherten lag zuletzt bei rund 2,6 Prozent (2018). Ein großer Anteil der Erkrankungen könnte aber durch eine Steigerung der Impfquoten insbesondere in den Risikogebieten verhindert werden. In der Regel sind drei Impfungen notwendig, um den vollen Schutz zu erreichen. Dieser hält dann mindestens drei Jahre an. Eine Impfung ist vor Beginn der Saison besonders sinnvoll, aber das ganze Jahr über möglich.

Wer von einer Zecke gestochen wird, sollte in jedem Fall Ruhe bewahren, denn längst nicht jedes Tier trägt gefährliche Erreger in sich. Die KKH rät außerdem, folgende Irrtümer zu beachten:


Zecken lassen sich von Bäumen fallen


Falsch! Zecken lauern auf Gräsern, Zweigen von Sträuchern oder auch im Unterholz auf Wirte. Gehen Menschen oder Tiere vorbei, lassen sich die Spinnentiere abstreifen.


Zecken sind nur im Sommer aktiv


Stimmt nicht! Bereits ab etwa sieben Grad Celsius ist mit den Blutsaugern zu rechnen.


Zecken mit Klebstoff oder Öl entfernen

 

Auf keinen Fall! Dies reizt das Tier unnötig und kann dazu führen, dass es seinen Speichel und somit möglicherweise auch Erreger in die Wunde abgibt. Stattdessen die Zecke mit einer Pinzette oder Zeckenkarte dicht an der Haut greifen (niemals am vollgesogenen Körper), nicht quetschen und behutsam herausziehen (nicht drehen). Anschließend die Wunde desinfizieren. Wer unsicher ist, ob die Zecke komplett entfernt ist, sollte zum Arzt gehen.

Sonntag, 29. März 2020

Corona-Pandemie: Warnung vor angeblichen Medikamenten gegen Covid-19

Die BARMER warnt eindringlich davor, auf diese Versprechen hereinzufallen und die angebotene Ware zu kaufen




In der Corona-Krise werben diverse Internetseiten mit vermeintlichen Arzneimitteln, die Infizierten Heilung versprechen. Die BARMER warnt eindringlich davor, auf diese Versprechen hereinzufallen und die angebotene Ware zu kaufen. „Es gibt noch keine zugelassenen Arzneimittel zur Behandlung von Covid-19. Erste Medikamente befinden sich bisher im Versuchsstadium. 

Bei den Internetangeboten handelt es sich um Produkte, die keinen wissenschaftlich erwiesenen Nutzen gegen Covid-19 haben“, sagt Heidi Günther, Apothekerin bei der BARMER. Schlimmstenfalls könnten solche Mittel sogar schädlich sein, indem sie zum Beispiel unerwünschte Wechselwirkungen mit zugleich eingenommenen Arzneimitteln hervorriefen. 

Bei einer Covid-19-Erkrankung stünden bisher nur Arzneimittel zur Behandlung der Symptome wie Fieber und Husten zur Verfügung. Daher habe auch die Europäische Arzneimittel-Agentur unlängst vor Internetseiten mit vermeintlichen Medikamenten gegen das Coronavirus gewarnt.

Nahrungsergänzungsmittel beugen Infektion nicht vor


Vorsicht sei auch bei Internetanbietern geboten, die für Nahrungsergänzungsmittel mit falschen Versprechungen werben. „Es gibt keine Nahrungsergänzungsmittel, die eine Infektion mit dem Coronavirus verhindern oder sogar heilen können“, sagt Günther. 

Laut Rechtsprechung dürften diese Zusatzmittel generell keine Angaben enthalten, die auf eine Vorbeugung, Behandlung oder Heilung einer Krankheit hindeuteten. 

Ohnehin seien die meisten Präparate wirkungslos, wenn man sich ausgewogen ernähre und damit keinen Nährstoffmangel habe. Bei Vorerkrankungen, zu hoher Dosierung oder bei Wechselwirkungen mit Medikamenten könnten Nahrungsergänzungsmittel mitunter sogar schaden.

Dienstag, 24. März 2020

Kabinett beschließt Entwürfe für Gesetzespakete zur Unterstützung des Gesundheitswesens bei der Bewältigung der Corona-Epidemie

Bundesgesundheitsminister Spahn: „Gesundheitswesen stützen, damit es noch besser schützen kann“


Um das Gesundheitswesen und die Pflege bei der Bewältigung der Corona-Epidemie zu unterstützen, hat das Kabinett heute zwei von Bundesgesundheitsminister Spahn vorgelegte Formulierungshilfen für Gesetzentwürfe beschlossen. 

Mit dem „COVID19-Krankenhausentlastungsgesetz“ werden die wirtschaftlichen Folgen für Krankenhäuser und Vertragsärzte aufgefangen. Mit dem "Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite" wird die Reaktionsfähigkeit auf Epidemien verbessert. 


© BMG | Bundesgesundheitsminister Jens Spahn
 
Ärzte, Pflegekräfte – alle, die im Gesundheitswesen arbeiten, brauchen gerade jetzt unsere volle Unterstützung. Deswegen kompensieren wir Einnahmeausfälle, bauen Bürokratie ab und setzen Sanktionen aus. Und wir sorgen dafür, dass wir schneller in epidemischen Lagen reagieren können. Wir bündeln Kompetenzen, so dass wir künftig in einer Lage wie dieser binnen Stunden für Ärzte, Pflegekräfte, Apotheker und alle anderen, die weit über das normale Maß anpacken, Bürokratie wegnehmen, Regeln anpassen, Vergütungen erhöhen."


Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Formulierungshilfe für einen „Gesetzentwurf zum Ausgleich COVID-19 bedingter finanzieller Belastungen der Krankenhäuser und weiterer Gesundheitseinrichtungen“ (COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz)

 

Die Bundesregierung unterstützt Krankenhäuser, Vertragsärzte und Pflege, um die Auswirkungen der Corona-Epidemie schultern zu können. Krankenhäuser werden unterstützt, um die Versorgungskapazitäten für eine wachsende Anzahl von Patienten mit einer Coronavirus-Infektion bereitzustellen. Ebenfalls abgefedert werden Honorareinbußen der niedergelassenen Ärzte. Auch Pflegeeinrichtungen sollen befristet von Bürokratie entlastet und ebenfalls finanziell unterstützt werden.

Dienstag, 17. März 2020

Qualitätsprüfungen in Pflegeeinrichtungen ausgesetzt

Alle Qualitätsprüfungen in Pflegeeinrichtungen werden bis vorläufig Ende Mai ausgesetzt

 



Nach derzeitigem Kenntnisstand verläuft eine Erkrankung mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 besonders bei Älteren und bei Menschen mit Vorerkrankungen schwerwiegend. 

Um das Infektionsrisiko für die besonders vulnerablen Personengruppen zu vermindern, führen die MDK (Medizinische Dienste der Krankenversicherung) daher bis vorläufig Ende Mai keine Regelprüfungen der Qualität nach § 114  SGB XI in ambulanten, teil- und vollstationären Pflegeeinrichtungen durch. 

Ziel ist es, einerseits die besonders gefährdeten Menschen zu schützen und andererseits die Einrichtungen von Zeitaufwänden durch die Prüftätigkeit zu entlasten.

Samstag, 14. März 2020

Coro­na­vi­rus: Video­sprech­stunde bringt Entlas­tung für Arzt­praxen und Pati­enten

Krankschreibung nach telefonischer Konsultation


Aus Sicht der Techniker Krankenkasse (TK) könnten Videosprechstunden ein guter Weg sein, um Arztpraxen in der aktuellen Situation deutlich zu entlasten. 

"Nicht jeder physische Arztbesuch ist sinnvoll und notwendig. Nicht nur in der aktuellen Coronavirus-Krise könnte er sogar kontraproduktiv sein, denn in Wartezimmern ist die Gefahr, sich bei anderen Patienten anzustecken, schließlich besonders groß", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen. 

Die TK geht davon aus, dass die Patienten in Hessen das Angebot der Videosprechstunden auch gut annehmen würden. "Ein Aufenthalt in einem Wartezimmer voller schniefender und hustender Menschen dürfte für niemanden eine besonders reizvolle Vorstellung sein. Alternativen dazu sind erforderlich und gewünscht."


Krankschreibung nach telefonischer Konsultation


Aus aktuellem Anlass haben sich der GKV-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) darauf geeinigt, dass Ärzte in den kommenden vier Wochen alle Patienten, die über Beschwerden der oberen Atemwege klagen, nun auch nach einer reinen telefonischen Konsultation für maximal sieben Tage krankschreiben dürfen. "Das ist ein erster Schritt, aber ein Austausch per Videochat wäre noch sinnvoller, denn so könnten sich die Ärzte - im wahrsten Sinne des Wortes - ein besseres Bild von den Patienten machen."


Videosprechstunde von Vorteil


Doch auch völlig unabhängig von der aktuellen Situation wird sich die Videosprechstunde auf absehbare Zeit durchsetzen, weil sie für die Patienten praktisch ist. "Wer eine Erkältung oder eine leichte Magen-Darm-Verstimmung hat und deshalb eine Krankmeldung für den Arbeitgeber benötigt, wird künftig die Videosprechstunde in Anspruch nehmen", zeigt sich Voß überzeugt. Auch in den Arbeitsalltag ließe sich eine Videosprechstunde, z.B. um sich ein Folgerezept ausstellen zu lassen oder um ein Nachsorge-Gespräch mit dem Arzt zu führen, besser integrieren lassen als ein physischer Arztbesuch. Laut einer Studie der TK kann sich in Hessen etwa jeder dritte Patient vorstellen, künftig per Videochat mit Medizinern auszutauschen.


Vergütung geregelt


Ab 1. April erhalten niedergelassene Ärzte, die Patienten per Videosprechstunde behandeln, übrigens grundsätzlich mehr Geld. Darauf haben sich die KBV und der GKV-Spitzenverband im Rahmen einer Reform des einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) geeinigt. Im EBM ist geregelt, welche Leistungen in welcher Höhe von den Ärzten abgerechnet werden können. Die TK sieht in dieser Stärkung der Videosprechstunde ein wichtiges Signal.

Mittwoch, 4. März 2020

Coronavirus: Gemeinsamer Krisenstab BMI/BMG fällt weitere Beschlüsse

Exportverbot für medizinische Schutzausrüstung – zentrale Beschaffung durch BMG

 

 

Der „Gemeinsame Krisenstab von BMI und BMG, der nach Pandemieplan zur Bekämpfung des Coronavirus gegründet wurde, hat gestern zum dritten Mal getagt und folgende Beschlüsse gefasst:

  1. Der Krisenstab stellt die außerordentliche Dringlichkeit für die Beschaffung medizinischer Schutzausrüstung fest. Das BMG beschafft diese zentral für Arztpraxen, Krankenhäuser sowie für Bundesbehörden.
  2. Im Bundesanzeiger wurde heute eine Anordnung des BMWi veröffentlicht, wonach der Export von medizinischer Schutzausrüstung (Atemmasken, Handschuhe, Schutzanzüge etc.) ins Ausland verboten ist. Ausnahmen sind nur unter engen Voraussetzungen möglich, u.a. im Rahmen konzertierter internationaler Hilfsaktionen.
  3. Der Krisenstab empfiehlt, dass Deutsche im europäischen Ausland, die sich auf Anweisung lokaler Behörden in Quarantäne begeben müssen, diese zu Ende führen. Damit wird entschieden, dass die Landsleute, die in einem Hotel auf Teneriffa in Quarantäne sind, nicht vor dem 10. März 2020 zurückkehren können.
  4. Das Auswärtige Amt nimmt in seinen Reisehinweisen auf, dass auf Kreuzfahrtschiffen ein erhöhtes Quarantäne-Risiko besteht.
  5. Die Zusammenarbeit zwischen Krisenstab und Bundesländern wird verstärkt. Die Bundesländer benennen entsprechende Kontaktpersonen.
Der Krisenstab trifft sich zu seiner nächsten turnusmäßigen Sitzung am Donnerstag, 05.03.2020.

Donnerstag, 27. Februar 2020

Coronaviren - BARMER verlängert Infohotline

Lage in Deutschland spitzt sich zu


Foto: BARMER


Der neuartige Coronavirus breitet sich in Europa weiter aus, nun sind auch in Deutschland weitere Fälle bekannt geworden. Angesichts dieser neuen Entwicklung verlängert die Barmer ihre Hotline zum Coronavirus. Experten geben hier Tipps, wie man sich und die Familie schützen kann und bereits Verdachtsfälle erkennt. „Das Coronavirus ist ernst zu nehmen. Eine Panik ist aber nicht angebracht. Umso wichtiger ist es, dass die Menschen wissen, wann tatsächlich Gefahr droht und wie sie sich bestmöglich schützen. Medizinexperten geben Tipps, die auf dem aktuellen medizinischen Stand der Forschung basieren“, sagt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer. 

Die kostenlose Hotline steht uneingeschränkt allen Bundesbürgern rund um die Uhr zur Verfügung unter 0800 84 84 111.

 

Krankenkassen übernehmen Test bei Verdachtsfällen

 

Bei einer Infektion mit dem Coronavirus zeigten sich meist Symptome wie bei einer Erkältung wie zum Beispiel Fieber und Husten. Bei einem Verdachtsfall solle die betroffene Person möglichst schnell einen Arzt kontaktieren, so Marschall. Die Krankenkassen übernähmen die Kosten für den Test auf den Coronavirus bei begründeten Verdachtsfällen. Anspruch auf diesen Test haben Risikogruppen wie Personen, die Kontakt zu einer infizierten Person hatten oder sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben.

 

Gute Händehygiene ist das A und O

 

Die Menschen könnten bereits einiges tun, um sich zu schützen. Dazu gehöre eine sehr gute Händehygiene sowie die Einhaltung der Husten- und Nies-Etikette, so Marschall. Wer in Kontakt zu einem Verdachtsfall stehe, solle wie auch bei Grippe- oder Erkältungspatienten möglichst ein bis zwei Meter Sicherheitsabstand halten. Dies gelte umso mehr, solange nicht klar sei, ob die betreffende Person tatsächlich das Coronavirus habe. Alle wichtigen Fragen rund um das Coronavirus beantwortet die BARMER auch im Internet.

Fragen und Antworten zum Coronavirus unter www.barmer.de/p014554

Mittwoch, 26. Februar 2020

Bundesverfassungsgericht kippt Verbot organisierter Sterbehilfe

Karlsruhe gibt Klägern Recht


(gwk) Das Bundesverfassungsgericht hat das Verbot der geschäftsmäßigen Beihilfe zum Suizid für verfassungswidrig erklärt. Es gebe ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben, sagte der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, bei der Urteilsverkündung in Karlsruhe.

Das schließe die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen und dabei Angebote von Dritten in Anspruch zu nehmen. Der Strafrechtsparagraf 217 mache das weitgehend unmöglich. Geklagt hatten Kranke, Ärzte und Sterbehelfer.

In Paragraf 217 des Strafgesetzbuchs steht: "Wer in der Absicht, die Selbsttötung eines anderen zu fördern, diesem hierzu geschäftsmäßig die Gelegenheit gewährt …, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."  Er sollte dazu dienen, Geschäfte professioneller Sterbehelfer zu unterbinden. Der Bundestag wollte mit der 2015 verabschiedeten Regelung das Auftreten von Sterbehilfevereinen eindämmen. Diese hatten ebenso wie Ärzte und Schwerkranke Verfassungsbeschwerden eingereicht.

„Im Namen des Volkes“, verkündete das Bundesverfassungsgericht heute, dass der Paragraf 217 nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Das Gesetz sei „mit dem Grundgesetz unvereinbar und nichtig“, hieß es in der Erklärung des Bundesverfassungsgerichts.

Einen Anspruch auf Sterbehilfe gebe es hingegen nicht. Das Urteil verpflichtet also keinen Arzt, gegen seine Überzeugung Sterbehilfe zu leisten.

Mittwoch, 19. Februar 2020

"Apps auf Rezept": AOK sieht Mängel bei Datenschutz und Nutzennachweis

Kritik am Verordnungs-Entwurf zu digitalen Gesundheitsanwendungen

 


Grundsätzliche Zustimmung zu den neuen "Apps auf Rezept", aber deutliche Kritik an den Regelungen zu Datenschutz und Nutzennachweis - so lässt sich die Stellungnahme des AOK-Bundesverbandes zum Referentenentwurf für die "Digitale-Gesundheitsanwendungen-Verordnung" (DiGAV) zusammenfassen. 

"Wir begrüßen die Möglichkeit, dass die gesetzlichen Krankenkassen künftig digitale Gesundheitsanwendungen mit niedrigem Risiko erstatten können", betont der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch. Allerdings sieht die AOK in ihrer Stellungnahme zur Anhörung im Gesundheitsministerium erheblichen Änderungsbedarf bei einzelnen Regelungen der Verordnung. Das betrifft vor allem den Nutzen der digitalen Anwendungen, die Patientensicherheit und die Sicherheit der in den Anwendungen gespeicherten Gesundheitsdaten, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) überprüft werden soll.

"Die Verordnung legt zwar Anforderungen zum Datenschutz fest, aber es ist nicht vorgesehen, dass das BfArM die Einhaltung dieser Vorgaben auch überprüft", kritisiert Litsch. Das Bundesinstitut solle seine Entscheidungen alleine auf Basis von Eigenangaben der Hersteller treffen. Außerdem seien bei Verstößen gegen die Datenschutz-Anforderungen keine Sanktionen vorgesehen. "Zuletzt haben Gesundheits-Apps immer wieder durch Datenschutzmängel Schlagzeilen gemacht. Deshalb kann es nicht angehen, dass das BfArM bei diesem Thema als zahnloser Tiger agiert", so Litsch. Der AOK-Bundesverband fordert, dass das Institut eine Prüfverantwortung für die Einhaltung der Datenschutz-Regelungen erhält. "Dann könnte es unabhängig überprüfen, dass wirklich keine Daten an Dritte abfließen", so Litsch. Zudem müsse die Verordnung durch Regelungen ergänzt werden, nach denen alle Möglichkeiten der Daten-Minimierung ausgeschöpft werden: "Es besteht ja in der Regel keine Notwendigkeit, dem Anbieter die Identität des Nutzers offenzulegen. Die Übermittlung von Personendaten an die Hersteller und Plattform-Betreiber sollte nach Möglichkeit vermieden werden", fordert Litsch.

Richtig ist aus Sicht des AOK-Bundesverbandes die Klarstellung in der Verordnung, dass die "Apps auf Rezept" frei von Werbung sein müssen. "Allerdings ist es nicht verboten, dass in den Anwendungen In-App-Käufe angeboten werden", kritisiert der Verbandschef. So gibt es auf dem Markt beispielsweise Apps für Patienten mit Diabetes mellitus, in denen Blutzucker-Teststreifen aus dem Mutterkonzern des App-Herstellers verkauft werden. "Die Querfinanzierung einer App durch solche Vertriebswege sollte ausgeschlossen sein, wenn die gesetzlichen Kassen die Kosten für die Nutzung durch die Patienten übernehmen."

Echter medizinischer Nutzen für Patienten entscheidend


Der AOK-Bundesverband begrüßt es, dass die Hersteller von digitalen Gesundheitsanwendungen laut DiGAV-Entwurf verpflichtet werden sollen, die positiven Versorgungseffekte ihrer Anwendung nachzuweisen. "Für die Patienten ist es aber entscheidend, dass medizinische Anwendungen, die von den Kassen erstattet werden, einen echten medizinischen Nutzen bieten. Wenn es nur um ein bisschen mehr Komfort bei möglicherweise schlechterem medizinischem Nutzen geht, sollte das nicht von der Solidargemeinschaft bezahlt werden", stellt Martin Litsch klar. 

Beim Nutzennachweis sieht die AOK in der Verordnung dringenden Nachbesserungsbedarf: Zum einen könnten auch Studien mit sehr niedriger Qualität mit ungeeigneten Vergleichsgruppen herangezogen werden, um den Nutzen zu belegen. Hier müssten die Anforderungen an die Studien abhängig vom Risiko einer digitalen Gesundheitsanwendung präzisiert werden. 

Zum anderen können die Hersteller den Nutzen ihrer Anwendung laut Verordnung auch durch "patientenrelevante Verfahrens- und Strukturverbesserungen in der Versorgung" begründen. 

Dazu gehören zum Beispiel eine leichtere Erreichbarkeit des Zugangs zur Versorgung oder die Reduzierung der therapierelevanten Aufwände. Viele dieser "Verfahrens- und Strukturverbesserungen" werden aus Sicht der AOK schon per se von jeder digitalen Anwendung erfüllt. Zudem betrifft dieses Kriterium vor allem Apps, die medizinische Leistungen ersetzen sollen. "Hier wird mit zweierlei Maß gemessen, weil diese Apps nicht nachweisen müssen, dass ihr medizinischer Nutzen mindestens gleich hoch ist wie bei der medizinischen Maßnahme, die sie ersetzen", kritisiert Litsch. 

Als Beispiel nennt er Frühwarn-Apps bei Hautkrebs. "Eine aktuelle Studie hat gerade erst gezeigt, dass diese Apps der ärztlichen Diagnose unterlegen sind und sogar schweren Schaden verursachen können, weil vier von 30 Melanomen bei der Anwendung nicht erkannt werden. Dann besteht das Risiko, dass der Nutzer nicht zum Arzt geht und das Melanom Metastasen bildet."

Mittwoch, 12. Februar 2020

Häusliche Pflege: Entlastungsbudget soll kommen

Bentele: „Der Bürokratiedschungel lichtet sich!“
Für eine Pflegevollversicherung

 

Verena Bentele | © Susie Knoll
Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, hat in Berlin ein neues Konzept für die häusliche Pflege vorgestellt. Darin wird auch eine Forderung des Sozialverbands VdK Deutschland berücksichtigt, das sogenannte Entlastungsbudget. Die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland Verena Bentele sagt dazu:

„Menschen, die zu Hause gepflegt werden, fühlen sich oft wie im Dschungel. Keiner blickt mehr durch. Die Bürokratie überfordert die Menschen. Viele beantragen bestimmte Leistungen erst gar nicht. Mit dem neuen Konzept des Pflegebeauftragten der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, würde sich der Bürokratiedschungel lichten. 

Die häusliche Pflege könnte so einfacher und flexibler werden. Das wäre ein Fortschritt für die 1,77 Millionen Pflegebedürftigen in unserem Land, die zu Hause gepflegt werden.“

Pflege betrifft jeden - Für eine Pflegevollversicherung


Bentele spricht sich für eine Reform der Pflegeversicherung aus. In ihrem jetzigen Zuschnitt deckt sie nur einen Teil der Kosten in der Pflege ab:

„Pflege betrifft jeden. Pflege ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Wir brauchen endlich eine Pflegevollversicherung, die alle pflegebedingten Kosten abdeckt. Deshalb müssen alle Versicherten in eine einheitliche soziale Pflegeversicherung einzahlen, also auch Beamte und Selbstständige. Um die Kommunen nicht zu überfordern, wären hier auch Steuermittel des Bundes einsetzbar. Die zu erwartenden Kosten für eine Pflegevollversicherung wären für die Versicherten und Arbeitgeber überschaubar - aber nur dann, wenn die gesetzliche und die private Pflegeversicherung nicht mehr getrennt wären.“

Hintergrund zum Pflegekonzept


Laut Konzept des Pflegebeauftragten der Bundesregierung sollen künftig Pflegebedürftigen für die häusliche Pflege zwei Budgets zur Verfügung stehen: ein Pflegebudget und ein Entlastungsbudget. Die Höhe des Pflegebudgets bemisst sich demnach am Pflegegrad und umfasst die bisherigen Pflegesachleistungen beziehungsweise das Pflegegeld. Zusätzlich fließen der Entlastungsbetrag von 125 Euro, die 40 Euro für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel und ein Teil des für die Verhinderungspflege zur Verfügung stehenden Betrags in das Budget. Das Entlastungsbudget umfasst die bisherigen Beträge der Kurzzeit- sowie der Tages- und Nachtpflege. Ebenso wird der übrige Teil des für Verhinderungspflege zur Verfügung stehenden Betrags dem Entlastungsbudget zugeordnet.

Samstag, 8. Februar 2020

Drei Jahre Cannabis-Gesetz

Mehr als zwei Drittel der Anträge werden bewilligt


Seit Inkrafttreten des Cannabis-Gesetzes im Jahr 2017 hat die Barmer bis Ende Januar dieses Jahres 14.986 Anträge auf Cannabishaltige Arzneimittel erhalten. Davon wurden 10.255, also 68,4 Prozent bewilligt und 4.731 abgelehnt. 

Das geht aus einer aktuellen Analyse der Barmer anlässlich des dreijährigen Bestehens des Cannabis-Gesetzes hervor. 

„Cannabis ist ein hoch komplexes Arzneimittel, das medizinisches Spezialwissen erfordert. Richtig eingesetzt kann es für schwerkranke Patientinnen und Patienten eine wertvolle Therapieoption sein, allerdings kein Allheilmittel. Cannabishaltige Arzneimittel sollten daher nur durch Ärzte verordnet werden, die sich mit der kompletten therapeutischen Breite des Medikamentes und seinen verschiedenen Inhaltsstoffen auskennen“, sagt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer. Damit komme Cannabis als Medizin noch gezielter als bisher bei den Patientinnen und Patienten zum Einsatz, die davon tatsächlich profitieren. Auf diesem Wege dürften auch die Ablehnungsquoten weiter zurückgehen.


Zahl der Anträge über die Jahre gestiegen


Nach der Barmer-Analyse ist die Zahl der Anträge auf Kostenübernahme Cannabis-haltiger Arzneimittel in den vergangenen Jahren gestiegen. Während es sich von März bis einschließlich Dezember 2017 um 3.090 Anträge gehandelt habe, waren es im darauffolgenden Jahr 5.238 und im vergangenen Jahr 6.094 Anträge. Während die Bewilligungsquote im 2017er-Zeitraum bei 65 Prozent gelegen hatte, stieg sie im Jahr 2018 auf 72 Prozent an und ging im vergangenen Jahr zurück auf 67 Prozent. „Cannabis-Anträge werden zum Beispiel dann abgelehnt, wenn sie bei Krankheitsbildern zum Einsatz kommen sollen, für die andere Therapiealternativen noch nicht geprüft wurden“, sagt Marschall. Dagegen helfe Cannabis besonders gut bei speziellen Nervenschmerzen, die häufig stärker seien als Krebsschmerzen.

Deutliche regionale Unterschiede bei den Bewilligungen


Wie aus der Barmer-Analyse hervorgeht, wurden in den vergangenen knapp drei Jahren die meisten Anträge auf Kostenübernahme Cannabishaltiger Präparate in Bayern mit 3.029 gestellt, gefolgt von Nordrhein-Westfalen (2.871) und Baden-Württemberg (1.310). 

„In Bayern gibt es auch deshalb so viele Cannabis-Verordnungen, weil es dort sei Mitte der 90er-Jahre einen Forschungsschwerpunkt an der Universität München gab. Dementsprechend erfahren sind die Ärzte mit der Formulierung der Anträge“, sagt Marschall. Dies sei nicht überall in gleichem Maße der Fall, wodurch es in manchen Regionen zu niedrigeren Bewilligungsquoten kommen könne. Diese reichten von 77,8 Prozent in Sachsen-Anhalt bis hin zu 56,4 Prozent in Hessen. „Wenn in manchen Regionen viel weniger Cannabis-Anträge bewilligt werden können als in anderen, kann dies auch an Informationsdefiziten und fehlerhaften Anträgen liegen. Hier ist zusätzliche Aufklärung erforderlich“, sagt Marschall.

Cannabis-Blüten bedenklich häufig verordnet


Laut der Analyse bekamen Barmer-Versicherte seit März 2017 fast 83.000 Packungen Cannabishaltiger Präparate im Wert von etwa 35,3 Millionen Euro verordnet. Darunter waren fast 20.000 Packungen unverarbeiteter Cannabisblüten. 

„Die Nachfrage nach Cannabisblüten ist so hoch, dass es mitunter zu Lieferengpässen kommen kann. Dabei ist deren Einsatz nicht unproblematisch. Anders als Rezepturen und Fertigarzneimittel weisen sie sehr unterschiedliche Wirkstoffmengen auf und sind schwer dosierbar“, so Marschall. 

Hier sei vor allem das ärztliche Spezialwissen bei der sachgerechten Verordnung gefragt, damit die Blüten in ein therapeutisches Gesamtkonzept eingebaut würden. Zudem seien Cannabisblüten auch teurer als Cannabishaltige Kapseln und Sprays. 

Freitag, 31. Januar 2020

Zahl der Apotheken sinkt auf 19.075

 Der Rückgang ist der bislang höchste in einem Kalenderjahr verzeichnete

 

In Deutschland gab es Ende 2019 noch 19.075 Apotheken. Die Zahl ist im vergangenen Jahr um 348 gesunken (minus 1,8 Prozent). Ende 2018 waren es noch 19.423 Apotheken. Der Rückgang ist der bislang höchste in einem Kalenderjahr verzeichnete. 

Noch stärker ist die Zahl der Apothekeninhaber zurückgegangen, die als freie Heilberufler einen Apothekenbetrieb mit bis zu drei Filialen unterhalten dürfen: Ihre Zahl ist um 409 auf 14.473 (minus 2,7 Prozent) gefallen. 

Das zeigen Erhebungen der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, die auf den vollständigen Angaben der Landesapothekerkammern in allen 16 Bundesländern beruhen. Die Apothekendichte in Deutschland liegt bei 23 Apotheken pro 100.000 Einwohnern und damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt (31).

„Noch können sich die Patienten in Deutschland auf eine flächendeckende Arzneimittelversorgung verlassen, aber das wird bald vorbei sein, wenn nichts passiert. 

Seit zwölf Jahren geht die Zahl der Betriebe zurück. Wir werden die Situation nur stabilisieren können, wenn die Apotheken mehr Planungssicherheit und einen vernünftigen ordnungspolitischen Korridor bekommen,“ sagt ABDA-Präsident Friedemann Schmidt. „Dazu gehören vor allem zwei gesetzgeberische Maßnahmen: Die Absicherung einheitlicher Abgabepreise bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln im grenzüberschreitenden Versandhandel zumindest in der GKV-Versorgung muss kommen. Und die Einführung des E-Rezepts muss durch ein Makelverbot so flankiert werden, dass Patienten die freie Apothekenwahl ohne Einflussnahme von kommerziellen Dienstleistern behalten.“ 

Beide Maßnahmen, so Schmidt, stünden bereits im Entwurf für das Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz, den das Bundeskabinett im Juli 2019 beschlossen hat. „Aber dieses Gesetz nutzt erst dann etwas, wenn es auch in den Bundestag eingebracht und beschlossen wird. Dafür wird es jetzt höchste Zeit.“

Dienstag, 28. Januar 2020

Coronaviren in Deutschland

BARMER schaltet Hotline für alle Bundesbürger

 

Foto: BARMER


Angesichts des ersten bestätigten Falls in Deutschland hat die Barmer eine Hotline zum Coronavirus eingerichtet. Medizinexperten geben hier rund um die Uhr Informationen darüber, wer besonders gefährdet sei, wie man sich schützen und einen Verdachtsfall erkennen könne. „Unsere Experten kennen den aktuellen Stand der medizinischen Forschung und können deshalb helfen, Unsicherheit oder gar Angst zu vermeiden“, erklärt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer. Die kostenlose Hotline stehe allen Interessierten – also nicht nur Barmer-Versicherten – rund um die Uhr offen unter 0800 84 84 111.

 

Menschen mit schwerer Grunderkrankung gefährdet


Laut Marschall zeigen sich bei Infektionen mit gewöhnlichen Coronaviren zumeist Symptome einer Erkältung, wie etwa Husten oder Schnupfen. „Bestimmte Coronaviren, wie das zuerst in China aufgetretene, können aber auch schwere Infektionen und Lungenentzündungen verursachen“, so Marschall. Die neue Lungenerkrankung gefährde vor allem Menschen, die schon an einer schweren Grunderkrankung litten.

 

Deutsches Gesundheitswesen gut vorbereitet


Panik sei jedoch nicht angebracht. Auch wenn es derzeit noch keinen Impfstoff gäbe, ließen sich Betroffene je nach Schwere der Erkrankung dennoch sehr wirkungsvoll behandeln. Marschall: „Mit unserem modernen Gesundheitswesen sind wir auch für diese Fälle sehr gut aufgestellt. Selbstverständlich übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen von der Diagnostik bis zur Krankenhausbehandlung alle Kosten.“

Montag, 27. Januar 2020

Evaluation Pflegebedürftigkeitsbegriff

Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung der Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs vorgestellt


Der Anteil der Menschen, die Hilfe zur Pflege benötigten ist im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozentpunkte auf den niedrigsten Wert seit Einführung der Pflegeversicherung gesunken. Damit wurden auch die Sozialhilfeträger deutlich entlastet. 

Das ist das Ergebnis einer jetzt vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchung zur Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs im Jahr 2017.
 
Um die Umsetzung der letzten Reformen wissenschaftlich zu begleiten, hat das BMG fünf Studien beauftragt. 

Die wissenschaftliche Evaluation fand von 2017 bis 2019 statt. 

Mit der Begleitforschung waren das IGES-Institut, die Prognos AG, Kantar Public sowie die Universität Bremen befasst.

 

Die Kernaussagen:

  • Menschen mit Demenz haben nun gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung
  • Die Zufriedenheit mit den Leistungen der Pflegeversicherung ist gegenüber früheren Befragungen weiter gestiegen.
  • Vermehrt werden Pflegegeld und Kombinationsleistungen in Anspruch genommen, während die Zahl der reinen Sachleistungsempfänger im häuslichen Bereich gesunken ist.
  • Der Anteil der Menschen, die Hilfe zur Pflege benötigten ist im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozentpunkte auf den niedrigsten Wert seit Einführung der Pflegeversicherung gesunken. Damit wurden auch die Sozialhilfeträger deutlich entlastet.
  • Die Einführung des einrichtungseinheitlichen Eigenanteils in vollstationären Pflegeeinrichtungen hat zu besserer Planbarkeit geführt und Konflikte mit den Pflegeeinrichtungen entschärft.
  • Die soziale Sicherung der Pflegepersonen hat sich verbessert. Die Pflegeversicherung entrichtet für deutlich mehr Pflegepersonen Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung, und die Ansprüche fallen vielfach höher aus.
  • Begutachtung und Pflegeberatung haben sich gut entwickelt: Die Zufriedenheit in beiden Bereichen ist hoch.
  • Der Fachpersonalmangel am Arbeitsmarkt bleibt ein drängendes Problem für die Pflege und gilt als wichtigster Grund für Schwierigkeiten bei der zügigen Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs in den Einrichtungen.

Donnerstag, 23. Januar 2020

Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft verabschiedet – Abgeordnete im Bundestag stellen sich hinter die Organspende

Statement Dr. med. Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO)


Dr. med. Axel Rahmel
Foto: Deutsche Stiftung
Organtransplantation (DSO)
„Auch kleine Schritte können zum Erfolg führen, wenn wir uns auch für die Patienten auf den Wartelisten den großen, konsequenten Schritt in Richtung Widerspruchslösung gewünscht hätten,“ erklärte der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Dr. med. Axel Rahmel, nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft. 

Vorausgegangen war eine offene, engagierte Debatte im Parlament. Trotz der teilweise kontroversen Diskussionen einte die Abgeordneten der Wille zur Förderung der Organspende in Deutschland, um den Patienten auf den Wartelisten zu helfen. 

„Beide Gesetzesvorschläge stellen die Autonomie der Patienten und die Aufklärung in den Vordergrund und unterstützen damit das Selbstbestimmungsrecht der Bürger und die Entscheidungsfindung des Einzelnen“, so Rahmel.

Die DSO hofft, dass die langen und zum Teil sehr emotional geführten Diskussionen um die beiden Gesetzesentwürfe bereits heute viele Menschen für das wichtige Thema Organspende sensibilisiert haben, so dass sie bereit sind, auch ohne den Anschub durch die Widerspruchslösung eine selbstbestimmte Entscheidung zu treffen. 

„Unsere Aufgabe als Koordinierungsstelle für die Organspende ist es, dem Willen des Patienten zu folgen und eine Organspende nur dann einzuleiten, wenn es der Verstorbene gewollt hat. – Aber dafür muss der Wille auch dokumentiert sein“, betont Rahmel. Nun kommt es darauf an, die positiven Ansätze in diese Richtung, die im Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft enthalten sind, effektiv in die Praxis einzuführen.

Den elementaren Schritt zu einer Verbesserung der Situation für die Organspende sieht der Mediziner allerdings nach wie vor in den strukturellen Maßnahmen, die mit der Zweiten Änderung des Transplantationsgesetzes zum 1. April 2019 verabschiedet wurden und derzeit gemeinsam mit den Klinikpartnern umgesetzt werden. „Der Weg ist geebnet, jetzt müssen wir ihn zügig und konsequent gemeinsam gehen. Den Patienten auf den Wartelisten läuft die Zeit davon“, appelliert Rahmel.

Samstag, 18. Januar 2020

Nur jedes fünfte Rabattarzneimittel ist von der Zuzahlung befreit

Seit 1. Januar 2020 sind nur 4.989 von 23.564 Rabattarzneimitteln (21,2 Prozent) von der gesetzlichen Zuzahlung komplett oder hälftig befreit 

 

Foto: ABDA

 

Trotz milliardenschwerer Rekordeinsparungen mit Rabattverträgen befreien Krankenkassen ihre Versicherten nur bei einem von fünf Rabattarzneimitteln von der Zuzahlung. Das zeigen aktuelle Berechnungen des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) zum Jahresbeginn. Demnach sind seit 1. Januar 2020 nur 4.989 von 23.564 Rabattarzneimitteln (21,2 Prozent) von der gesetzlichen Zuzahlung komplett oder hälftig befreit. 

Jede einzelne gesetzliche Krankenkasse hat das Recht, auf die gesetzliche Zuzahlung zwischen fünf und zehn Euro zur Hälfte oder in Gänze zu verzichten, wenn sie einen entsprechenden Rabattvertrag mit einem pharmazeutischen Hersteller abgeschlossen hat. 

Die Apotheke ist grundsätzlich verpflichtet, das ärztlich verordnete Arzneimittel gegen das Rabattarzneimittel der Kasse des Versicherten auszutauschen. Im Jahr 2018 hatten die gesetzlichen Krankenkassen bereits 4,5 Mrd. Euro durch Rabattverträge mit pharmazeutischen Herstellern eingespart – im abgelaufenen Jahr 2019 dürfte es noch viel mehr Geld gewesen sein.

„Die Krankenkassen sparen immer mehr Geld ein, indem sie alte durch neue Rabattverträge ersetzen“, sagt Berend Groeneveld, Patientenbeauftragter des Deutschen Apothekerverbandes (DAV): „Einerseits sammeln die Kassen immer mehr Rabatte von den Herstellern ein und muten ihren Versicherten damit regelmäßig Präparatewechsel zu. Trotzdem müssen die Patienten auch weiterhin meistens ihre fünf bis zehn Euro zuzahlen. 

Die Krankenkassen sollten häufiger die Zuzahlungen erlassen. Das würde die Akzeptanz für ständig wechselnde Präparate und somit auch die Therapietreue der Patienten verbessern.“ Groeneveld fügt hinzu: „Die vielfachen Lieferengpässe bei Rabattarzneimitteln führen in den Apotheken zu erheblichem Zusatzaufwand. Deshalb sollten die Krankenkassen ihre Rabattverträge am besten mit mindestens drei Herstellern mit unterschiedlichen Wirkstoffproduzenten abschließen, um Lieferengpässe zu reduzieren.“

Wer wissen will, ob sein rezeptpflichtiges Medikament zuzahlungsfrei ist, kann sich auf dem Verbraucherportal www.aponet.de die jeweils aktuelle „Liste zuzahlungsbefreiter Medikamente“ anschauen und darin alphabetisch suchen.