Samstag, 15. Mai 2021

Stabile Unternehmen sichern verlässliche Pflege

bpa kritisiert: Antworten nur für pflegebedürftige Menschen und für Beschäftigte reichen nicht aus, wenn damit Unternehmen gefährdet werden




"Der Politik droht die Populismusfalle. Eine weitere Verbesserung der Gehälter in der Altenpflege kann den Beruf attraktiver machen. Klar ist, dass damit dauerhaft die Kosten für die Pflege steigen, was bei den pflegebedürftigen Menschen nicht auf ungeteilte Akzeptanz stößt. 

Zur Sicherung eines professionellen pflegerischen Angebots muss aber auch eine Antwort darauf gegeben werden, wie die Existenz der Pflegeunternehmen gesichert bleibt. Wer die Qualifikation, die Personalmenge, die einzelnen Gehälter und die Preise verbindlich regelt, darf anschließend die Unternehmen mit ihren betrieblichen Risiken und ihrem unternehmerischen Wagnis nicht im Regen stehen lassen. 

Jede bisherige Erfahrung in den Entgeltverhandlungen zeigt, dass zwar die einzelnen Gehälter refinanziert werden, wir aber bei der Berücksichtigung des betrieblichen Risikos und des unternehmerischen Wagnisses auf Granit beißen." Das sagt Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) anlässlich der Diskussion um das Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG).

Der bpa-Präsident kritisiert, dass sich in den Änderungsanträgen zum GVWG kein einziger Hinweis zur verlässlichen Berücksichtigung eines notwendigen unternehmerischen Zuschlags bei den Entgeltverhandlungen finde. Die Personalkosten machten bei Pflegeeinrichtungen und -diensten im Schnitt über 70 Prozent aus. Meurer: "Die Träger haften persönlich und uneingeschränkt für ihre Unternehmen. Wenn politisch so tief in die Finanzierung eingegriffen wird, dann müssen zumindest auch verlässliche Aussagen zur angemessenen Berücksichtigung der unternehmerischen Risiken und des unternehmerischen Wagnisses getroffen werden. Wer A sagt, kann bei B nicht einfach wegschauen."

Donnerstag, 6. Mai 2021

Erhöht Corona das Zeckenstich-Risiko?

KKH: Starker Rückgang der FSME-Impfungen bei Jüngeren




Nach einem der kältesten April-Monate seit rund 40 Jahren dürften die Temperaturen nun endlich steigen. Damit sind jedoch vermehrt Zecken auf Gräsern, Sträuchern und im Unterholz unterwegs auf der Suche nach Opfern. Das Tückische dieser winzigen blutsaugenden Parasiten: Sie können gefährliche Krankheiten auf uns Menschen übertragen, darunter die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Laut Robert Koch-Institut (RKI) wurden im vergangenen Jahr bundesweit 704 FSME-Erkrankungen gemeldet. Das ist die höchste Zahl seit dem Start der Meldepflicht vor 20 Jahren.

„Durch die Corona-Pandemie hat sich das Freizeitverhalten der Menschen geändert“, sagt Apotheker Sven Seißelberg von der KKH Kaufmännische Krankenkasse. „Sie gehen mehr raus in die Natur zum Wandern, Joggen und Radfahren, zum Picknicken und Grillen. Damit steigt das Risiko hierzulande, an einer Frühsommer-Meningoenzephalitis zu erkranken.“ Diese Viruserkrankung wird durch Zeckenstiche übertragen und kann schlimmstenfalls zu einer Hirnhautentzündung führen, zu Schäden des Nervensystems und Lähmungen. Dem Risiko kann jeder mit einer Impfung vorbeugen, die die Ständige Impfkommission (STIKO) für bestimmte FSME-Risikogebiete in Deutschland empfiehlt.

Auffallende Impfmüdigkeit bei den 25- bis 44-Jährigen

Laut KKH-Daten ließen sich 2019 bundesweit rund 68.800 Versicherte gegen FSME impfen und damit lediglich 3,9 Prozent. Auffallend: die Impfmüdigkeit bei den 25- bis 44-Jährigen. Bei ihnen ging die Quote der FSME-Impfungen von 2009 auf 2019 um 17 Prozent zurück. Ganz anders die 65- bis 79-Jährigen: Von ihnen ließen sich 17 Prozent mehr im genannten Zeitraum impfen, was zeigt, dass Ältere das Risiko ernster zu nehmen scheinen.

Eine Gefahr geht von Zecken vor allem zwischen März und Oktober aus. Ab etwa acht Grad sind die Plagegeister aktiv. Für Einwohner wie Urlauber besteht in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, im südöstlichen Thüringen und in Sachsen ein erhöhtes Risiko für eine FSME-Infektion. Diese Regionen hat das RKI als FSME-Risikogebiete ausgewiesen, ebenso wie Teile in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen. 

Zecken vermehren sich stark, was auch am Klimawandel liegt. Denn milde Winter, sehr warme Frühjahrs- und Sommermonate forcierten die starke Verbreitung von Zecken in den vergangenen Jahren. „Auf Nummer sicher geht, wer sich impfen lässt, denn das ist der beste und einzige Schutz gegen eine Frühsommer-Meningoenzephalitis“, appelliert Sven Seißelberg. „Nutzen Sie die kommenden Wochen hierfür, dann sind Sie vor dem Start des Sommers gut geschützt.“ Eine Impfung ist vor allem für diejenigen ratsam, die sich viel in Wäldern, Wiesen, Gewässernähe, Parks und Gärten aufhalten. Die Kosten für eine FSME-Impfung übernimmt die KKH für Personen, die innerhalb Deutschlands in FSME-Risikogebieten leben oder dorthin reisen. Eine Auffrischung empfiehlt sich frühestens nach drei Jahren.

Wichtig zu wissen: Wer sich gegen Covid-19 impfen lassen möchte, sollte laut RKI mindestens 14 Tage vorher keine andere Impfung wie zum Beispiel gegen FSME erhalten haben.

Zecken können auch die Lyme-Borreliose übertragen. Gegen diese Bakterieninfektion gibt es keine Impfung. Rechtzeitig diagnostiziert lässt sie sich aber gut mit Antibiotika behandeln. Zeckenstiche sind meist nicht schmerzhaft, können unentdeckt jedoch schwere gesundheitliche Folgen verursachen. „Suchen Sie Ihren Körper und den Ihrer Kinder nach dem Aufenthalt im Freien daher gründlich nach Zecken ab, insbesondere Kopf, Ohren, Hals, Achseln, Armbeugen und Kniekehlen“, rät Apotheker Seißelberg. „Sollte sich eine Zecke festgebissen haben, ziehen Sie sie mit einer Pinzette, Zeckenzange oder Zeckenkarte langsam gerade heraus und desinfizieren Sie dann die Wunde.“ Wichtig: Zecken nicht quetschen. Sonst kann es passieren, dass vermehrt Viren oder Bakterien in die Wunde gelangen. Wurde die Zecke nicht komplett entfernt oder entzündet sich die Einstichstelle, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Montag, 3. Mai 2021

Haut besser desinfizieren als einseifen

Welt-Händehygienetag am 5. Mai




Eine gute Händehygiene wird zum Schutz vor Coronaviren dringend empfohlen. Ständiges Händewaschen mit Seife kann allerdings die Entstehung von Handekzemen begünstigen. Darauf weist die Barmer anlässlich des Welt-Händehygienetages am 5. Mai hin. „Häufiges Händewaschen mit Seife löst die Fette aus der Haut und zerstört die natürliche Schutzschicht. Die Haut trocknet aus, wird rot, bekommt Risse und juckt. All das sind typische Symptome eines Handekzems durch zu viel Händewaschen“, sagt Dr. Utta Petzold, Dermatologin bei der Barmer. 

Nach jedem Händewaschen solle man sich deshalb die Hände gut eincremen, damit sie nicht zu sehr austrocknen. Dabei solle man besser Handcremes aus der Tube anstatt einer Dose nehmen. Dies sei hygienischer, da die Kontaktfläche beim Entnehmen der Creme und damit die Gefahr einer Kontamination geringer sei. Besser als häufiges Händewaschen sei gerade in Coronazeiten die Händedesinfektion mit einem viruswirksamen, alkoholischen Händedesinfektionsmittel.

Desinfizieren ist hautschonender und effizienter als Händewaschen

Ein Händedesinfektionsmittel biete sich insbesondere auch für unterwegs oder beispielsweise nach dem Einkaufen im Supermarkt an. Hierfür könne man ein Fläschchen in der Handtasche oder im Handschuhfach seines Autos deponieren, um es jederzeit griffbereit zu haben. Das Mittel solle so reichlich aufgetragen werden, dass die Hände und Fingernägel komplett nass sind. Dann mindestens 30 Sekunden einwirken und trocken lassen, rät Petzold. 

Gegen Viren inklusive Corona seien sogenannte begrenzt oder einfach viruzide Desinfektionsmittel dem Waschen mit Seife überlegen. Deswegen würden sie auch beispielsweise in Krankenhäusern eingesetzt. Weitere Tipps zur richtigen Händedesinfektion, insbesondere in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen, biete die „Aktion Saubere Hände“, eine nationale Kampagne für eine bessere Händehygiene, deren Partner die Barmer seit vielen Jahren ist.

Mehr Informationen zur „Aktion Saubere Hände“ unter:
www.barmer.de/s000108.